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Sehnsucht - Leseprobe

Prolog

 

  „Es wird nie mehr sein, wie es war. Ich bin weg.“ Mark Forster singt sein „Au revoir“ im Radio und ich fühle mich irgendwie berührt. Sehnsucht erwacht. Es klingt so reizvoll, aus dem Leben auszubrechen. Fesseln zu sprengen. Ein ganz neues, anderes Leben zu führen. Wild und frei. Endlich glücklich, zufrieden und natürlich total erfolgreich. Ich träume mich weg. Stelle mir vor, wie ich mit ausgebreiteten Armen hoch oben auf einem Felsen stehe und über die unendliche Weite des Meeres blicke. Ich drehe mich im Kreis und lasse mich vom Wind umwehen, atme tief ein und fühle mich endlos frei.

 

Ich bin weg. Versunken in einem Tagtraum. Unschlagbar selbstbewusst habe ich Spaß mit einem Haufen Leute in einer exotischen Strandbar. Von allen Seiten ziehe ich bewundernde Blicke auf mich: gebräunte Haut, dunkles, langes Haar, makellos schlanke Figur, ein sexy schwarzes Bandeau um die Brust, um die Hüften ein kurzes, buntes Miniröckchen, Flipflops an den Füßen - sonst nichts. Ich tanze. Die Männer verschlingen mich mit den Augen. Ich sehe sie verführerisch an, aber für mich gibt es nur den Einen. Und mit dem verlasse ich die Bar.

 

Szenenwechsel. Ich bin nicht nur die sexy Badenixe, ich bin auch eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Mit Laptop und Handy eile ich über den Flughafen. Das cremefarbene Etui-Kleid zeigt meine perfekten Kurven, betont die langen Beine, schicke High Heels an den Füßen. Eine Limousine erwartet mich und bringt mich zu meinen durchweg männlichen Geschäftspartnern, die alle nicht nur von meiner Optik, sondern auch von meiner Kompetenz beeindruckt sind. Der Geschäftsabschluss zu meinen Konditionen ist perfekt. Wieder zuhause kicke ich die High Heels in die Ecke, streife die Business-Kleidung ab und sehe in Shorts und T-Shirt einfach hinreißend lässig und sexy aus, so dass mein Mann mich sofort ins Schlafzimmer zieht.

 

Seufzend öffne ich die Augen. Hirngespinste.

 

Ich stehe vom Schreibtisch auf und stelle mich vor den bodenlangen Spiegel. Was ich sehe hat nicht viel Ähnlichkeit mit den Bildern von eben. Die dunklen Haare vielleicht. Aber jetzt sind sie kurz. Die weiße Strähne ist witzig. Obwohl? Egal. Die Figur ist jedenfalls das krasse Gegenteil meiner kühnen Vorstellungen, ich bin viel zu dick. Das können auch das weite Shirt und die lässige Jogginghose nicht kaschieren. Ich sehe mir direkt in die Augen. Das allerdings gefällt mir. Ihr strahlendes Blau, irgendwie tiefgründig, geheimnisvoll. Ich klimpere verlegen mit den Wimpern.

 

Kann man sich das wünschen: Einfach weg? Aber wie sollte ich sowas machen? Einfach alles hinschmeißen, irgendwie und irgendwo neu anfangen? Wo denn überhaupt? Und woher weiß ich, ob es funktioniert - und wenn, ob es dann besser wäre? Egal, ist ja sowieso völlig irrsinnig. Das würde ich mich gar nicht trauen. Das ist was zum Träumen, um Songs drüber zu schreiben, Filme zu drehen – und für Leute, die vor nichts Angst haben, auch nicht davor, dass am Ende nichts dabei rauskommt. Gescheitert, alles für ‘n Arsch.

 

Mein Spiegelbild und ich schütteln energisch den Kopf. Wofür hätte ich dann das alles bisher gemacht – Schule, Ausbildung, Beruf? Das würde ich alles wegschmeißen und nochmal von Null anfangen? Ich kann doch sonst nichts. Und dann bin ich irgendwo, ganz fremd und allein. Kenne nichts und niemanden, spreche vielleicht nicht mal die Sprache. Geld brauche ich aber trotzdem. Arbeiten könnte ich nur irgendwelche simplen Sachen oder am besten gleich als Prostituierte gehen. Ha, da wäre ich ja genau richtig. Ich mustere mein Spiegelbild abschätzig.

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